Cyclelife BLOG

02 Jun 2017

Etape du Tour oder das Maleur in den Bergen

Die Mail vom Wing Commander hatte keine Inhalt, dafür aber eine recht griffige Betreffzeile:

“RUF MICH BITTE AN !!!! Change deines Lebens!”

 

Ankündigungen dieser Art können bei Thorsten so ziemlich alles bedeuten. Angefangen von neuen Cycle Cafe Socken bis zur Idee ein Cycle Cafe in Auckland aufzumachen. Geht es wirklich um einen Change, oder meinte er eine Chance? Wenn man mit Thorsten befreundet ist, lernt man nach derartigen Ankündigungen in einer gewissen Ungewissheit zu schweben. Das kann ja auch durchaus schön sein, unser Alltag ist ja viel zu vorhersehbar geworden. Thorsten ist sozusagen eine Art mentaler Jungbrunnen. 3 Stunden später hatte ich  Zeit mein IPhone aus der Tasche zu kramen, um mal genauere Details zur Veränderung meines Lebens zu erfragen.

“Ja Alter, Du fährst die Tour de France!”

Blick nach rechts, mal kurz das IPhone vom Ohr nehmen und durchatmen. Was ist das wieder? “Thorsten?”

“Ja geil, oder? Sag nichts, das macht Profile Design für Dich möglich.”

???

“Ein super Sache! Tour de France! Das ist die Königsklasse Junge, Glückwunsch!”

Es gibt Gespräche, da komme ich inhaltlich einfach nicht mit. “Thorsten, mal kurz: Sprechen wir von dem Profi Rennen in Frankreich?”

“Ja, na sicher! Alter, fährst Du Rennrad oder was? Die Etappe du Tour! Wir bringen Dich da rein, bist Du platt, oder?”

Bin ich, dass steht fest. Etape du Tour? Ich bin in meinem ganzen Leben noch kein Profi Rennen gefahren, genaugenommen bin ich überhaupt erst ein einziges Rennen gefahren. Wie soll ich zur Tour de France kommen? Darf man da mit einem 26er Schnitt mitfahren? Die Freude in jedem Team über einen Support dieser Art dürfte riesig sein. Habe ich da überhaupt Urlaub? Wie geil wäre das denn bitte? Wenn ich bei der Tour de France mitfahren könnte und dann sagen “Oh, das kommt jetzt leider etwas ungelegen.” Ich sehe mich schon vor einer Fernsehkamera stehen “Ja, das Team hat sich lange vorbereitet und der Sponsor hat da auch wirklich Geld in die Hand genommen, aber dann ist das leider mit meiner Urlaubsplanung kollidiert und so mussten wir die Anmeldung zurückziehen. Das ist natürlich ärgerlich, aber wir werden jetzt bei der Hegau-Panorama mitfahren.” Ich muss spontan lachen.

Nein, eigentlich muss ich nicht lachen. Ich muss eher mal fragen, was das alles konkret bedeuten soll? Und jetzt kommt der Ball langsam ins Rollen. Es gibt zur Tour de France eine begleitende Veranstaltung “Etape du Tour”. Ursprünglich mal für Sponsoren und VIPS gedacht, fahren mittlerweile auch Freizeitfahrer mit. Zumindest dann, wenn sie einen Startplatz schießen konnten. Diese wiederum scheinen rar zu sein und überhaupt, Tour de France, dass ist natürlich ein Name! Man fährt eine Etappe, welche die Profis dann im Rahmen der Tour ein paar Tage später auch fahren werden. Medienrummel und geile Stimmung inklusive.

Ich bin nicht sonderlich im Thema muss ich zugeben. Wie früher beim Fußball, bin ich auch im Radsport jemand, der lieber selbst unterwegs ist, als anderen dabei zuzusehen, wie sie die beste Zeit ihres Lebens haben. Ich habe also keinen wirklich großen Background zur Tour, aber ich weiß, dass mich die französischen Alpen schon immer interessiert haben und diese mal im Rahmen eines derartigen Events zu erobern klingt in meinen Ohren nach Champus, statt Selters. 

“Ja, Mensch Ben. Eine riesen Nummer! Profile Design bringt Dich da rein. Hotel ist dabei, paar Details müssen wir noch klären. Vielleicht kannst Du auf der Messe beim Cycle Cafe auch etwas den Barista geben? Das wird groß, ganz groß!”

Thorsten weiß zu überzeugen, soviel steht fest. Ich bin jetzt auch völlig begeistert und fange an im Freundeskreis von dieser irren Veranstaltung zu sprechen. Zumindest bis dann mal die Frage aufkommt, wie denn eigentlich die Daten zur Strecke sind? “Wow, Tour de France Etappe? Die rocken aber immer ganz ordentlich was runter. Was fahrt ihr denn da?”. Ja, keine Ahnung? Das hatte ich bislang gar nicht gefragt. Gehört vielleicht zu den Details, die wir noch klären wollten? Auf der nächsten Ausfahrt frage ich also mal nach diesem Punkt. Kurze Antwort: 180 km – 3500 Höhenmeter

???

Diesen Moment mit vielen Fragezeichen scheine ich öfters im Zusammenhang mit diesem Event zu haben. What the fuck?? 180 km? Nie gefahren bislang! 3500 Höhenmeter am Stück? Nie gefahren bislang! Wegen Erschöpfung bei der Hälfte zusammengebrochen? Nie passiert bislang! 

Wie soll ich denn das schaffen? Kann ich abkürzen? Ich fasse es nicht. Jetzt gibt es genau zwei Optionen:

  1. Ich mache mir von genau jetzt an einen riesen Kopf und habe die Hosen voll vor diesem Event, oder
  2. ich akzeptiere mal einfach, dass die Natur und Strecke extrem rocken werden und ich im worsed case einfach absteige, irgendwo in einem Dorf an der Strecke einen Rotwein trinke und mich dann vom Besenwagen abholen lassen, oder jemanden aus dem Team anrufe.

Nach kurzer Überlegung entscheide ich mich für Variante zwei. Erscheint mir spontan einfach die sympatischere Methode damit umzugehen. Ich sehe die 180 km also einfach mal als eine Option, eine Art Obergrenze, so weit darf ich maximal fahren. Dann werde ich endgültig raus gewunken. “Nein Ben, jetzt ist echt mal Schluss. Weiter darfst Du nicht mehr, dafür war der Startplatz nicht gedacht und das hatten wir auch vorher auch so besprochen. 180 km, dann ist SCHLUSS. Steig jetzt BITTE ab!”

Ja, so wird es wohl enden. *hust

Mittlerweile sind es noch 6 Wochen bis zum Event und meine ganz konkrete Vorbereitung darauf liegt bislang eher im mentalen Bereich. Dafür sieht das Hotel, in welchem wir untergebracht sind wirklich gut aus und ich freue mich auch total darauf den Barista zu geben. Eventuell bekomme ich mit dem Support vom Medienkraftwerk noch eine Baristaschürze und dann zelebriere ich auf dem Messestand die große Baristakultur. Ist ja auch mal sehr geil, oder? Auf der offiziellen Tour de France den Barista geben. Allein das ist die Sache schon wert.

Also meine Lieben, es steht wohl außer Frage, dass mich dieses Event noch etwas begleiten wird und ich lasse euch an meinen hochgradig seriösen Vorbereitungen natürlich teilhaben. Es sind noch 6 Wochen bis zum Tag X. Es sind doch 6 Wochen, oder? Himmel, zumindest das sollte ich so langsam mal genau wissen. Sollte diesen Blog irgendwer lesen, der dieses Event mit dem gleichen Startbedingungen wie ich angeht. Bitte einfach mal melden, ich hätte so gar nichts gegen einen Small Talk auf den 180 km, da kann man ja mal so richtig weit in die Kindheit zurückgehen. 🙂

Youtube Video zur Etappe

Im Zuge meines Mind Coaching habe ich mir das Video von Nicolas und Mike angesehen, welche die Etappe letzten Herbst mal Probe gefahren sind. Hoffentlich habe ich auch ein Teamfahrzeug hinter mir.

 

Da ich selbst an dieser Veranstaltung noch gar nicht teilgenommen habe, besitze ich natürlich auch keine Bilder. Ich habe also bei Etape du Tour angefragt, ob man mir ein paar Bilder für den Blog zur Verfügung stellen könnte und diese Bilder sind hier jetzt im Blog zu finden.

 

 

ben-jorga

3 comments

  1. Ich bin einfach nur sprachlos. Ich scheppe gerade Mutterboden in eine 50 Jahre alte Schubkarre und dieser Herr fährt eine Tour-Etappe. Ich würde Variante A für mich wählen und nicht mehr ruhig schlafen. Bruno radelt ja nach Düsseldorf. Ihr werdet mir immer sympathischer!

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  2. Gut dass ich auf dem Bett liege und nicht kichernd vom Stuhl fallen konnte 🙂

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  3. Was für ein klasse Video, und dass zweite Foto oben rechts – Genial!
    Gruss
    Franz

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