Cyclelife BLOG

01 Aug 2017

Rad am Ring – Grüne Hölle 2017

Frühstück im Arlberg Express

Abfahrt um 07:00 Uhr an der Fähre Meersburg. 06:59 Uhr stehe ich mit dem ersten Espresso in der Hand auf der Fähre und mein Handy klingelt: Rene – Arlbergexpress: “Wo seid ihr?”

Österreicher machen mich fertig, dass Timing läuft bereits wie  eine geölte Kette. Und dann steht er da: Captain Kirk mit der Enterprise. Das ist kein Bus, das ist ein Schiff der Galaxy Klasse mit Warp Antrieb. Daheim hatten wir noch schnell zwei Semmeln geschmiert und dann erwartet uns da drinnen ein komplettes Buffet, inklusive First Class Stewardessen die Cycle Cafe servieren – Bewirtung by Tannberger Hof, Lech. Danny, das rockt gewaltig! Ich sage es immer wieder, die Rahmenbedingungen bei uns sind auf Weltklasseniveau, wir bringen das nur noch nicht auf die Straße. Aber wir arbeiten dran, wir arbeiten dran. Mental.

Erste Videoanalyse im Warroom

Das Geschoss rollt an, die Stimmung steigt. Ich habe mich direkt mit Martin in den Warroom zu einer ersten Lagebesprechung zurückgezogen. Nochmal das Video von der L´étape vor zwei Wochen sichten, zwischendurch einen Espresso und wo wir schon hier sind, ein Brötchen geht immer. Das war schon ein geiles Ding in Frankreich. Während wir die grüne Hölle ansteuern schmieden wir bereits Pläne diesen Luxusliner samt René und Danny fürs kommende Jahr zu kapern um damit die L´Etappe 2018 aufzumischen. Hätte jemand Interesse? Melden!

 

Touchdown grüne Hölle um 14:00 Uhr und wer sich denkt “Ist ja entspannt, da kann man kurz die Beine baumeln lassen”, weit gefehlt. Direkt die Ansage vom Markus -Medienkraftwerk-. “Ben, spätestens um 17:00 Uhr sind wir auf der Strecke und zwar im Porsche.” Und so schnell geht mein süßer Hintern dann auch auf Grundeis. Andererseits, muss man mal gemacht haben, oder?

 

 

  • Taxi 1
  • Taxi last
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  • karussel

 

Dann kommen wir mal zum Hauptakt, der Samstag lässt bitten und der Druck auf dem Stimmungsbarometer zieht nochmal so richtig an. Bei uns in der Box einfach nur geile Leute, jeder hat Bock drauf, alle euphorisch, jeder im Fieber. Es hat ein wenig etwas von einem Ausflug im Kindergarten, nur, dass wir eben alle jenseits der 30 sind. Die meisten wohl auch eher weit, weit jenseits der 30. *hust

Vor zwei Wochen verschworene Kriegsbrüder in den französischen Alpen, jetzt erbitterte Konkurrenten.

Offengestanden habe ich ein wenig den Überblick verloren, wer alles gemeinsam mit uns in der Box stand. Diese merkwürdig-kurios durchgeknallte Atmosphäre vor einem solchen Rennen schwappte die Boxengasse rauf und runter. Auf gewisse Art war jeder geil drauf und hatte gleichzeitig die Hosen voll.

Anders als beim Fußball kam es hier bereits im Vorfeld zum Trikottausch. Merci Jürgen fürs VIP Trikot eures Teams. Als ich zwischendurch mal kurz das Gefühl hatte, euer Team hätte die Nase vorn, habe ich es DIREKT angezogen und bin selbstsicher durch die Box marschiert.

Mit dabei auch Andre, mit dem ich mich noch vor 14 Tagen in einer Schicksalsgemeinschaft von Blutsbrüdern durch die L´étape gekämpft habe. Jetzt gemeinsam in einer Box, allerdings bei zwei verschiedenen Teams. Ich habe ihm DIREKT die Luft aus dem Reifen gelassen. He, 14 Tage sind lang her.

Das Geile bei so einem Event ist einfach, dass man Gott und die Welt trifft. Man quatscht sich an jeder Ecke fest. “Smalltalk” wäre die pure Untertreibung für das was hier abgeht. We are Family!

 

  • Teamtalk
  • With Peer - Die zwei Bären im Feld
  • Cycle Cafe im 4er - Chapeau
  • Black Rider - Black Gold
  • Cycle Cafe Stand - Ever and always
  • Matthias Schiendler und der Carbon Pirat
  • Relax
  • Zippo - Weltmeister der Journalisten

 

Damit leiten wir mal schwungvoll rüber zum Zentrum des Desasters, dem Chaos Club vom Bodensee. Proudly present: Das erste Gruppenbild in der Boxengasse.

Erstes Gruppenbild und irgendwie fehlt etwas …

Wir haben eine riesen Action gemacht, alles gegeben. Jubel, Trubel, Heiterkeit und dann fiel jemanden mal auf: Irgendwas fehlt? Martin! Genau! Martin ist noch mal eben kurz …

Das sollte sich jetzt ungelogen noch ungefähr eine Stunde genauso ziehen. Viola geht Martin suchen und Martin taucht wieder auf. Wo ist Viola? Michael geht Viola suchen und Viola taucht wieder auf. Wo ist Michael? Wo ist Olli? Wo das Rad? Wo die Boxengasse? Wo bin ich? Ist das Rennen schon gestartet?

Von Beginn an hatten wir die Lage alles andere als im Griff, ABER hatten dabei so richtig geile Laune und das war der Schlüssel zum … tja, zu was genau weiß ich jetzt auch nicht. ABER es war der Schlüssel! Soviel können wir ganz klar festhalten. Genauso eindeutig dürfen wir bilanzieren, dass wir rein vom Support das wahrscheinlich am besten ausgestattete Team auf der ganzen Nordschleife waren. Dank Protective bekamen wir einen Satz Bodensee-Rennrad Trikots zum Event. Die Jungs supporten mich seit ein paar Wochen und sind mal echte Spaßgranaten, das passt wie der Cappuccino am Morgen.

 

  • Protecitve1
  • Protective 3
  • Protecitve2

 

Dann hatten wir noch Michael vom Tannheimer Tal als Spitzenfahrer verpflichtet, welcher uns direkt noch zwei Trikots vom Tannheimer Tal Marathon einbrachte, Trinkflaschen und diverse Gels inklusive. Radtechnisch hatten mich Cervélo und Profile Design ja gerade erst auf eine andere Umlaufbahn geschossen und so war die Frage, welche uns alle beschäftigte lediglich, wie das Ganze jetzt umsetzen? Nach langen Minuten der Stille erklärte sich Michael bereit den Startfahrer zu geben. Läuft doch! Und damit kamen wir dann zu einem nicht ganz unwesentlichen Detail des Wochenendes: Das 24h Rennen.

Zur Überraschung -vermutlich aller- haben wir den Start nicht verpennt. Michael rollte pünktlich an und damit lief die Nummer: 24 Stunden grüne Hölle!

Was für ein Erlebnis, jedes Mal aufs Neue. Meine persönliche Meinung: Die Strecke ist extrem anspruchsvoll. Diese 26 km sind bis zum Anschlag vollgepackt mit Drama, da ist immer Feuerwerk: Langgezogene Kurven, freier Fall, Anstieg, Hohe Acht, Karussell und die Suche nach Windschatten. Die Nordschleife ballert rein und ich liebe die Stimmung in so einem Team. Wenn man sich in den Fahrpausen austauscht über die Streckenabschnitte, jeder mit seinen ganz eigenen Erlebnissen, jeder mit einem Kopfschütteln und einem breiten Grinsen auf dem Gesicht.

Ich habe mir auf der 1. Runde noch ein kleines persönliches Highlight gegönnt, nicht das mein Puls ohnehin schon unter der Decke klebte. Kaum die hohe Acht geschafft, legte ich einen Schaltvorgang hin der seinesgleichen sucht. Dachte sich auch mein Rad und schmiss prompt die Kette ab. Das Ergebnis: Eine zwischen Rahmen und Kettenblatt gezogene, komplett verklemmte Kette. Kirmes!

Kettenparty

Bezeichnend für mich Glückskeks, dass just in diesem Moment ein Service Fahrzeug über die Piste rollte. Aufladen, einladen und zurück an die Box. Warum kann so etwas nicht VOR der hohen Acht passieren? Es ist nicht schön zu reden, scheiß Gefühl in einem Service Wagen über die Piste zu schleichen, gab leider auch keinen Espresso an Bord. Zum Glück ist mir Derartiges nicht auf der L´étape vor zwei Wochen nicht passiert. Hier wurde uns lediglich eine Runde abgezogen und es kostete Detlef von Cervélo nur einen Handgriff um wieder Ordnung in die Sache zu bringen.

Personalisiert á la Medienkraftwerk

Wo wir gerade beim Thema Material sind. Ich stehe ja wirklich total auf meine neuen Felge, die mir mit meinem Logo beklebt wurden. Aber einer hat die Sache noch getoppt. Schaut euch doch bitte mal diese geilen Dinger an! Sind mir nachts, direkt vor unserer Box, vor die Kamera gerollt. Und wer sitzt drauf? Armando Espinoza aus Hawai, fragt mich nicht. Manchmal glaube ich auch das Drehbuch ist etwas absurd. Armando erklärt mir, ein Rad Transport aus Hawai war zu kompliziert, daher hat ihm Felt kurzerhand ein Rad zur Verfügung gestellt. Die Felgen gab es von Profile Design und jetzt dürfen wir alle mal raten, wer sie dann so geil beklebt hat? Genau: Medienkraftwerk. Ich hätte viel früher im Leben damit anfangen sollen Dinge zu bekleben. Aber das Teil rockt schon, oder?

Auf Basis dieser Informationen denke ich jetzt übrigens ernsthaft darüber nach mal ein Rennen auf Hawai in Erwägung zu ziehen. Ich werde direkt mal anfragen wer mir da ein Rad zur Verfügung stellen kann. Ich meine der Rad Transport ist echt zu umständlich, das wird man doch hoffentlich einsehen?

Bei diesen 24 Stunden hat jede Zeit ihren ganz eigenen Flair. Die vibrierende Atmosphäre zum Start des Events, dann die ersten Runden in der Abendstimmung, wenn es in der Abendsonne etwas ruhiger wird. Später dann, wenn der Abend in die Nacht übergeht und sich nach der Abendsonne langsam die Ruhe ausbreitet und schließlich natürlich unfassbar: Die Nacht. Wie bescheuert kann man sein? Wie geil kann es werden? Once in a lifetime!

Cycle Cafe zur Nachtfahrt

Da torkelst Du dann kurz vor Mitternacht in die Box und richtest die Sachen. Du weißt wie bekloppt das ist, einfach schon weil Dein Körper es Dir die ganze Zeit auf allen Kanälen durchfunkt: “AUFHÖREN!!!!” Aber rings um Dich herum machen das alle, Du bist nicht alleine und die Nordschleife wartet. Das stärkste Licht welches man auftreiben konnte aufs Rad, Cycle Cafe in den Flaschenhalter and ready for take off!

Die beste Orientierung auf der Piste bieten die roten Rücklichter der Fahrer vor einem, ansonsten stürmt man durch die finstere Sommernacht. Mitten in der Fuchsröhre dann das erste Flutlicht, geil, geil, geil. Weiter geht es, langsam zieht die Strecke an. Immer aufwärts, immer in Richtung hohe Acht. Noch das Karussell, dann türmt sich im  Dunkeln die Wand auf und während man sich Meter für Meter hochkämpft dröhnt plötzlich ein mächtiger Bass von oben herunten, dass Flutlicht der Verpflegungsstation flackert auf. Das pusht nochmal über die letzte Hürde. Zum Glück kann ich meinen Puls nicht sehen, kein Bedarf, danke. Trotzdem ein richtig geiles Gefühl! Die letzten Kilometer in Richtung Fahrerlager, Richtung Boxengasse. Nachts auf der Nordschleife, einfach mal machen.

News-Ticker im Gruppenchat

Zwischendurch sitzt man dann in der Box, verarbeitet die Eindrücke der letzten Runde und tauscht sich mit Jungs und Mädels aus. Eine Runde über die Expo drehen, relaxen bis man wieder dran ist den Transponder zu übernehmen, ggf. im Hotel mal 2-3 Stunden schlafen. Viele kommen aber auch gar nicht runter bei der Stimmung rund um das Rennen.

Und dann gibt es natürlich noch die WhatsApp Gruppe vom Team, die einen 24h begleitet und immer auf den neuesten Stand bringt. Ob man jetzt will, oder nicht! 🙂

Manche Fragen konnten trotzdem im Rennverlauf nicht geklärt werden. Wer hat die Hasen am Pflanzgarten über den Haufen gefahren? Warum wird die hohe Acht von Runde zu Runde steiler und wieso sehen alle anderen auf ihrem Rad sportlicher raus als ich? Was bleibt sind einmal mehr unfassbar schöne, vielfältige und einmalige Eindrücke von einem besonderen Rennen und einer ganz speziellen Atmosphäre.

 

  • Morgenstimmung
  • Aus dem Sattel
  • Morgenrunde
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  • Durchs Fahrerlager am Morgen
  • Abendstimmung
  • Impression am Morgen
  • Durchs Fahrerlager nachts

 

Und als Krönung noch dieses wirklich tolle Team. Zum Teil als Fremde gekommen, definitiv als Freunde gegangen. Kann man sich mehr von einem Wochenende wünschen? Leute, das war unfassbar und zwar unfassbar gut.

 

  • Zieleinfahrt
  • Team-Ready
  • Goal

 

Berge an Videomaterial zum Event schlummern auf meiner externen Festplatte. Da ich jetzt allerdings erstmal knapp 3 Wochen unterwegs bin, werde ich kaum dazu kommen selbiges zeitnah zu schneiden. Geduld, Geduld wispert mir eine Stimme ins Ohr und ich denke: Espresso!

Ein letztes Wort an die Person, die es -mal wieder- möglich gemacht hat. Der Wing Commander! Danke für die Einladung, danke für die Idee, danke für die Begleitung. MERCI!

 

 

 

 

ben-jorga

5 comments

  1. Geil, Geil, GEiL – danke das wir uns kennenlernen durften! Dein Schreibstil ist BOMBE Deine Bilder der Hammer! Ich hatte Gänsehaut die ganze Zeit während des Lesens!

    Klaus

  2. Danke für den tollen Blog, Ben. Lesen, Dia-Show, sich Hineinversetzen –> Kopfkino pur. Und ich pendel mir hier den Arsch ab. Irgendwie rauscht alles an mir vorbei. Und jetzt regnet es auch noch, bin mit dem Rad hier im Büro. Sauber!

  3. Hi Ben,
    wieder mal toll geschrieben.
    Und ja, wir alle haben dem Wing Commander zu danken.
    Gruß Onkel Jürgen

  4. hi Socke! war cool Dich wieder dabei gehabt zu haben….und Dein Team samt Begleitern war der Hit! Spitze! Es freut mich sehr, dass Du mit meinen Vorarlberger-Freunden nun mehr und mehr ein Team bist – im November hoffe ich Dich dann wieder mit Kapitän Rene’ und der Enterprise bei einem Event zu haben….Düsseldorf ruft > also mal wieder eine Einladung!!! next Adventure – aber hier steht FUN gang oben an erster Stelle…..eher weniger das kreiseln unserer / Deiner Beine….wir telefonieren! Ach ja….beim RIDERMAN machst Du ja COFFEE am CycleCafe Stand am Samstag – und Sonntag fahren wir zusammen, oder? Andre, iKe Blueracer, …., die Ladies und viele mehr sind auch dabei….
    Tmag – Dein Wingcomander

  5. And again- you made my day 🙂

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