Cyclelife BLOG

24 Jul 2017

Dream come true – Cervélo

Bei manchen Blogs überlegt man, wie anfangen? Bei diesem Blog habe ich derartig viele Möglichkeiten die Story in den Raum zu werfen, ich weiß gar nicht welche nehmen. Und völlig gleichgültig wie ich die Nummer aufziehe, völlig unweigerlich wird der Moment kommen, an welchen man abwinkt und sagt „Ach komm Alter, das gibt es doch gar nicht!“. Zweifelsfrei mal wieder so ein Ding abseits vom Mainstream.

Im Grunde muss ich in der Timeline zurück auf die Stunde Null. Ein Nachmittag in Paris, meine Frau im Schuhgeschäft und ich stehe draußen auf der Straße. Soeben wurde ich von einem doppelten Espresso auf eine andere Umlaufbahn geschossen und da bestelle dann beim warten am Handy mein erstes Rennrad. Genauso lief es ab. Mit meinem heutigen Wissen hatte ich unfassbares Glück, dass die Kiste überhaupt passte. Ein Bianchi. Warum ein Bianchi? Kann ich euch sagen, die Entscheidung verlief wie immer vollkommen professionell. Ich liebe Italien und die Toskana. Bianchi war die einzige mir bekannte Fahrradmarke die aus Italien kam. Ergo > Bianchi. Einleuchtend will ich meinen. Eigentlich war auch nicht geplant dieses Rad mitten im Pariser Straßentrubel zu bestellen, aber während ich da wartete und auf dem Handy surfte, kam dieses HAMMER Angebot im Bianchi Store daher und mein Großhirn meldet nur ein Wort in Dauerschleife: ZUSCHLAGEN, ZUSCHLAGEN, ZUSCHLAGEN …

Ich hatte keine Ahnung von einer Rahmengröße, war im Grunde froh meine Körpergröße auf Rückfrage des Mitarbeiters an der Hotline einigermaßen korrekt durchgeben zu können. Bezeichnend wie gesagt für mich und mein sinnloses Glück, dass dieses Rad später wie Arsch auf Eimer passen sollte. Witzige Anekdote: Es lief alles ganz reibungslos, bis ich die Daten zu meiner Kreditkarte durchgab. Ein paar Sekunden warten und dann „Tut mir leid, die wird nicht akzeptiert.“ „Ich bitte Sie, dass kann doch gar nicht sein, probieren sie das nochmal.“

3 Versuche, dreimal in die Schranken verwiesen worden und dann fällt mein Blick auf dieses Schuhgeschäft mit meiner Frau drin. Ganz genau! Ich war zu langsam. Glücklicherweise konnte ich das Rad reservieren und am nächsten Tag hatte ich dann auch wieder ein freies Limit auf der Karte.

So führte mein Weg als Frischling zu Bianchi. Es vergingen etwa 2 Jahre und dann stand für uns ein Roadtrip durch die USA an. Dabei sollten wir auch ein paar Tage in Vancouver aufschlagen und hier wurde ich dann Markentechnisch ganz neu eingestellt. Im Auge des Orkan damals das Musette Café. Seinerzeit noch in seiner ersten Version. Wir saßen morgens im Hotel und mein wichtigstes Anliegen: „Wohin zum morgendlichen Espresso?“ Da empfiehlt mir TripAdvisor ein Café für Freunde des Rennradsports. Kurzes googeln bestätigt „Ein Muss für jeden Freund des Roadbikes.“ Also schleife ich meine Frau zu diesem Café, welches nicht auf der Avenue gelegen, sondern an einer Seitenstraße, ganz hinten auf einem Parkplatz. Sind wir hier richtig? Wir sind! Türen öffnen und da liegt es, dass bislang noch immer geilste Rennrad Café, welches ich jemals erblicken durfte und es ist voll. Es ist geil. Es ist der HAMMER! Und wir mittendrin.

  • 1442
  • Theke
  • Musette Parkplatz
  • Musette2
  • Schild

 

Überall hänge alte Trikots, die Kasse steht auf einem Rennradlenker, die Barista dampft … für mich ein Film. Drinnen stehen Fahrradständer und ständig kommen die Jungs rein, stellen ihr Rad ab und holen sich einen Espresso. Und was stellen sie dort ab? ALLE! Cervélo.

Ich spare mir an dieser Stelle weiteren Ausführungen zum Musette Café und was ich dort noch erleben durfte. Das ist bei Gelegenheit einen weiteren und eigenen Blog wert. Mittlerweile ist der Laden völlig neu aufgezogen. Er konnte die Leute einfach gar nicht mehr fassen. Neuer Standort und professioneller ist er auch geworden. Hier findet ihr die Homepage vom Cafe. Wer mal vor Ort vorbeikommt: MACHEN!

Magic moment …

Für mich war dieser Moment, dieser Morgen prägend in der Hinsicht, was ich an der Rennradkultur so schätze und selbst lebe: Die Cafékultur, das Miteinander, die Gespräche, das Leben, der Flair und die Erlebnisse. CERVÉLO, eingebrannt seitdem.

Mir muss niemand erzählen, dass er ein bestimmtes Rad fährt, nur weil die Technik bei dieser Marke einzigartig wäre. Langweilig, da schalte ich direkt ab. Halte ich -sorry- für Blödsinn. Wir müssen nicht darüber diskutieren, dass Cervélo technisch erstklassige Räder herstellt, aber das machen 5-6 andere Firmen auch. Es ist IMMER auch die eigene Beziehung zu der Marke, was man mit ihr verbindet. Ich meine sogar, dass ist maßgeblich. Dabei prägend sind Schlüsselerlebnisse wie dieser Morgen in Vancouver.

Wieder daheim sollte ich dann allerdings recht schnell realisieren, dass Cervélo jetzt eher zum Segment der Premium Marken zählt und es ein doch etwas schwieriges Unterfangen werden würde zu begründen, warum mein Bianchi jetzt aussortiert und ein nicht geringer Geldbetrag in die Hand genommen werden müsste für eben dieses Rad.

Zwei Jahre später sollte ich den Wing Commander kennenlernen. Die Granate, welche mich Rockie (Lernkuve!) nach vielem Kopfschütteln etwas unter seine Fittiche nehmen wird. Mein Bianchi hatte zu diesem Zeitpunkt bereits einige Kilometer gefressen und der Commander stellte ziemlich bald fest, dass da man da auch mal etwas machen sollte. Wobei, so schränkte er direkt ein, er mir da nur eine Marke ans Herz legen will und ggf. gute Konditionen aushandeln könnte. Mit diesen Worten öffnete er damals seine Garage und damit ein Cervélo Paradies.

Der Verstand sagt: „Ruhe bewahren“
Das Herz schreit: „DISCO!“

So kam ich zu meinem R3 und ich liebe es wirklich. Ich fahre den Renner wahnsinnig gern. Wann immer mir ein anderes Rad zum vermeintlichen Sensationspreis angeboten wurde mit elektronischen Gimmicks,etc.,  konnte ich bei völlig ruhigen Puls sagen: „Danke, bin komplett zufrieden.“

Könnte man bis hierher bereits sagen: Mega Zufall mein Lieber, da hast Du ja mal richtig Glück gehabt. Habe ich, stimmt. Wird aber noch besser.

Letztes Jahr bei Rad am Ring treffe ich den Majestro der Mechanik  von Cervélo hier in Europa, Detlef Adams. Dankenswerterweise stellt er mir die Schaltung am R3 neu ein und gibt mir ein paar Tipps mit auf den Weg, während wir so plaudern. Dabei zeigt er mir die C-Serie, was nach seiner Meinung das wirklich geilste Ding ist, was sie bei Cervélo bislang rausgehauen haben. Sieht gut aus, stimme ich zu. Ansonsten kann ich mir zu dem Zeitpunkt noch nicht so richtig vorstellen dafür auf mein R3 verzichten zu wollen.

Als es dann im Spätsommer letztes Jahr so richtig heiß wird, fahre ich zunehmend auch mal mit dem Mountainbike durch die Wälder am See. Ich bin einfach nicht der Typ für 35 Grad, pralle Sonne und dann nur auf dem Asphalt. Dummerweise stelle ich aber auch schnell fest, der Typ fürs Mountainbike bin ich auch nicht. Mir fehlt dieses Gefühl des Fliegens, das Leichte, der Radius. Völlig klar denke ich, dass ich da dann wieder auf das C3 komme, oder? Angesichts des Preises aber auch wieder ein Problem: Wie jetzt ein zweites Rad begründen?

So und jetzt treiben wir die Dramaturgie mal endgültig auf den Höhepunkt. Frühsommer 2017 und der Wing Commander haut mal wieder einen raus. Wir erinnern uns, im Frühjahr liefen ja bereits solche Nummern wie: „Mal Lust auf L´étape?“, oder „Rad am Ring mit VIP Box?“. Diesmal jetzt beim Small Talk  auf dem Rad: „Du Ben, hättest Du nicht Lust Markenbotschafter bei Cervélo zu werden?“

So langsam ahnt ihr vielleicht, warum mir bei dem Mann echt gerne mal schwarz vor Augen wird. Ich muss da auch immer zweimal nachfragen. Beziehungsweise in diesem Fall sage ich erst zu und frage dann, was das bedeutet. Und jetzt kommt es, Leute jetzt kommt es. Das bedeutet, dass mir Cervélo ein Rad zur Verfügung stellt, welches ich dann immer mal ein paar Monate testen kann. Schön wären dann natürlich auch mal ein paar Bilder davon, so wie bisher und vielleicht mal ein Blog

Oscarverleihung, mein Name wird gerade aufgerufen, der Saal tobt.

Anschließend erster Mailkontakt mit Martin und in dessen Fußzeile steht „Junior Brand Manager Cervélo Europe“. Sorry Leute, aber das ist jetzt geil. Und dann schreibt mir Martin, dass demnächst Räder reinkommen, das wären dann C3. Ich glaube der Film nimmt kein Ende. Ich meine, was hätte ich jetzt mit einem zweiten R3 gemacht? Ich habe offen gestanden keine Ahnung, aber genauso klar ist auch, ich hätte nicht „nein“ gesagt. Aber C3? Versenkt! Es ist Zeit über eine Biographie nachzudenken.

Jetzt bin ich Markenbotschafter bei Cervélo. Wie genial ist das bitte? Ich meine, was passiert wenn man ein derartiges Angebot von einer Firma bekommt, mit der man nicht wirklich auf einer Welle schwimmt? Keine Ahnung, vermutlich wird man aber trotzdem mal sagen „Bin dabei!“ und dann steht man da. Aber wie abgefahren ist das bitte, wenn genau die Firma, die man ohnehin geil findet, einem so ein Angebot macht? Ich darf die Frage direkt selbst beantworten: Es ist eine richtig abgedrehte Sache.

Jetzt habe ich das Bike seit 5 Tagen fertig hier stehen, konnte bislang zwei Runden damit drehen, bin völlig geflasht. Genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte. Starkstrom. Ist das gut mit der Rakete mal eben vom Asphalt auf die Waldautobahn abzubiegen und da im gleichen Tempo durch den Schatten zu donnern. Ich weiß noch genau, wie ich damals auf das R3 kam und das Gefühl hatte, alle Straßen wären neu asphaltiert. Das C3 zieht die Schraube noch etwas an, auf normalen Waldautobahnen fahre ich butterweich über den Schotter, wobei die 28mm Reifen da sicherlich auch ihren Teil beitragen. Es ist genau das Teil, was ich jetzt um Sommer brauche, irre!

So, jetzt dürfte man wirklich mal diagnostizieren: Da hast Du Dich ja vor Glück bepinkelt!

Einer geht aber noch. Beim Wing Commander geht immer noch einer. „Da brauchst Du jetzt neue Felgen auf dem C3. Du kannst ja nicht ständig durchwechseln. Wir organisieren Dir etwas von Profil Design und schicken es zum Medienkraftwerk. Wenn Du da lieb bist, bekommst Du Dein Logo auf die Felgen.“

Wir erinnern uns bitte alle ans Medienkraftwerk. Die Granaten aus dem Rheinland? Die Baristaschürze? Der Druck auf meinen Trikots? Das Chaos Duo, wo man diese Namensaufkleber fürs Rennrad bestellen kann? Genau die! Ich kann ja derartig lieb sein, ihr glaubt das alle gar nicht. Personalisieren die mir also noch die Felgen. Ja Leute, was soll ich jetzt sagen? DANKE, das läuft hier alles auf unheimliche Art von selbst. Es ist ja nicht so, als hätte ich jemals ein Siegertreppchen gesehen, höchsten mal nachts von weitem. Ab er das rockt alles ganz gewaltig. Ach so: Namensaufkleber? Hier schauen. 😉

ben-jorga

3 comments

  1. “Wer Glück hat, furzt im Traum!”
    Unbelievable.
    Mir fehlen die…
    LG
    Matthias

  2. Geile Story und herzlichen Glückwunsch!!
    Genau so muss das ablaufen…
    Wünsche viele schnelle Kilometer mit dem Bike.
    Cervélo 2018 steht ebenfalls auf meiner Agenda…mal schauen was die Finanzen bis dahin sagen.
    Viele Grüße vom Bodensee Nordufer.
    LG Michi

    1. Es gibt schlechtere Pläne für 2018 😉 Falls Du Rahmengröße 54 fährst schreib mich nochmal an.

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